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Naturnahe öffentliche Grünraumgestaltung

Durch eine intensivierte Landwirtschaft (mehrfacher Schnitt und starke Düngung) werden Bedingungen geschaffen, unter denen nur wenige Arten überleben können und zu einer Dezimierung der Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen führen. Mit ihr schwindet eine heterogene, farbenfroh blühende und lebendige Landschaft.

Um diesem Trend entgegen zu wirken hat die Marktgemeinde St. Johann in Tirol 2018 beschlossen bei dem Projekt „Blüten.Reich – Gemeinsam für Vielfalt“ der Tiroler Umweltanwaltschaft in Kooperation mit dem Biologen, Naturgartenplaner und Erfolgsautor Dr. Reihard Witt und der Naturgartenplanerin DI Katrin Kaltofen (blumt!) einen Schritt in eine nachhaltig blühende Zukunft zu gehen. Ziel ist es die Attraktivität öffentlicher Grünflächen durch die Aussaat standortgerechter Blumen zu erhöhen. Prächtig blühende Blumenwiesen sind nämlich eine unter vielen Möglichkeiten dem Verlust biologischer Vielfalt entgegen zu wirken. (Quelle: http://www.tiroler-umweltanwaltschaft.gv.at/naturschutz/naturprojekte/bluetenreich/)

Im zweiten Jahr ist eine deutliche Veränderung ersichtlich. Waren es im ersten Jahr noch die Initialstauden und einjährigen Samen, sind es im zweiten Jahr die Mehrjährigen, die für eine üppige Farbenvielfalt sorgen. Ein zweimal jährliches Jäten, sowie ein jährliches Mähen reicht. Die Wiese reguliert sich von alleine, was Kosten und Arbeitszeit einspart.

Begehung der Blüten:Reich Flächen mit den Experten der Naturplanung

Ende August wurden die sieben angelegten Blühflächen von den Naturplanern Dr. Reinhard Witt und DI Katrin Kaltofen sowie Mag. Stefanie Pontasch PhD von der Landesumweltanwaltschaft begutachtet und Stellung bezogen. Fazit? Bis auf die Fläche in der Dechant-Wieshoferstraße (gegenüber Domicil) wurde nur Lob verteilt. Auch wenn die Wildpflanzen teilweise höher als erwartet wurden, machte sich doch die Anlage von naturnahen Säumen und Wiesen bezahlt. Den ganzen Sommer über fanden Insekten wertvolle Nahrung und im Winter dienen die Stängel als Winterquartier. Nicht alle Nützlingsweiden wurden abgemäht. Dies hat folgenden Grund:

Manche Blütenpflanzen wie die Astern blühen erst spät im Jahr. Damit diese Pflanzen zur Samenreife gelangen und sich fortpflanzen können, werden sie erst spät gemäht. Dafür bieten die Spätblüher den Insekten Nahrung zu einer Zeit, in der allgemein wenig Nektar und Pollen zur Verfügung steht. Auch Vögel finden Nahrung in diesen spät gemähten Blumenwiesen. Der Stieglitz/Distelfink holt sich wie andere samenfressende Vögel die Samen aus der verblühten Witwenblume oder Flockenblume. Wenn hochwachsende Pflanzenstängel wie jene der Königskerzen verblüht und verdorrt sind, dienen sie Insekten als Nistplatz. Daher werden solche hochwachsenden Säume am besten erst im Frühjahr gemäht, nachdem die Insekten aus ihrem Winterquartier geschlüpft sind. Also: Nur Mut zu etwas Unordnung, denn das bedeutet Leben!

Die Blühflächen sind übrigens dynamisch im Blühaspekt. Gespannt dürfen wir warten, mit welchen Farben und Formen wir ab dem Frühling im kommenden Jahr belohnt werden.